Warum sind wir nicht mehr „verliebt“?

In unserer Gesellschaft dominiert in Filmen und in der Musik ein Modell von “Liebe”, das mehr mit Betörung als mit Bindung zu tun hat. Wir werden ermutigt zu glauben, dass ein emotionales Feuerwerk und das attraktive Aussehen des Partners die wichtigsten Zutaten einer Beziehung sind. Ein solches Modell der Liebe wirkt umso stärker, je weniger wir klare, positive Vorbilder von gut funktionierenden, stabilen Beziehungen in unserer bisherigen Biografie erlebt haben.

Meiner Erfahrung nach ist es gut, klar zwischen Liebe und Verliebtheit zu trennen: die spannende Verliebtheitsphase einer Beziehung dauert nur relativ kurze Zeit an, in der die Hormone Dopamin und Noradrenalin das Gehirn überschwemmen. Es sind andere Hormone, nämlich Vasopressin und Oxytocin, die bei der Bindung in einer langfristigen Partnerschaft beteiligt sind. Es ist also ganz natürlich, dass die Aufregung irgendwann nicht mehr ganz so groß ist, dafür hat man dann aber das Potenzial für eine stabile Beziehungsbasis.

Liebe ist etwas, was wir tun, nicht etwas, was entweder da ist oder nicht. Wenn also ein Paar zu mir kommt in der Hoffnung, seine Beziehung zu verbessern, sehe ich es als meine Aufgabe, den Partnern dabei zu helfen zu verstehen, wie sie aufeinander zugehen oder sich voneinander wegbewegen – und dabei ihre Bindung stärken oder schwächen. Ich helfe dem Paar dabei, Muster der Verbindung und des gegenseitigen Verständnisses herzustellen, denn die starke Bindung ist das Geheimnis einer erfolgreichen, dauerhaften Beziehung, die gefühlt die Welt zu einem sichereren Ort macht.